florianbeutel

Videoredakteur
 
 

Wie der Sand in die Halle kam
Beachsport hinter vier Wänden
 
Wer kennt das nicht. Das ganze Jahr über freut man sich wie Bolle auf den Sommerurlaub nur um dann, wenn es so weit ist am Strand zu hocken und festzustellen: Ganz schön langweilig hier! So oder ähnlich muss wohl auch ein gewisser Charlie Saikley Anfang des 20.Jahrhunderts empfunden haben. In seiner Verzweiflung trieb er irgendwo an den Stränden Kaliforniens zwei Pfosten in den Sand, spannte so etwas wie ein Netz dazwischen und – siehe da – der erste Volleyballplatz mit Meeresanschluss ward geboren. Über die Spielqualität auf dem ungewohnt sandigen Terrain und die Reaktion manches irritierten Sonnenanbeters auf die fremdartigem Aktivitäten ist nichts überliefert – dennoch, der neue Zeitvertreib machte unter den Urlaubgeplagten aller Welt schnell die Runde.
 
Beachsport ohne Grenzen
 
Bei der fälligen Namenssuche war weitaus weniger Kreativität vonnöten. Man nehme die Ursprungssportart, ergänze sie um den neuen Spielort, verwende für das Ganze die übliche Landessprache und erhält? Richtig: Beachvolleyball. Ja und wo sich ein Volleyballer langweilt, da ist ein ebenso gelangweilter Basketballer, Fußballer oder Handballer nicht weit. So fanden schnell auch zahlreiche andere Ballarten ihren Weg in das körnige Element. Einzig die Golfer und Wasserballer zieren sich noch immer etwas. Doch trotz
aller Konkurrenz: die luftige Version des Volleyball hat sich bis heute als Platzhirsch unter den Beachsportarten behauptet. Sommer, Sonne, Strand und Sport – das schien ein Bündnis für die Ewigkeit zu sein...
 
Emanzipation des Sands
 
Doch wer das glaubte hatte die Rechnung ohne Berlin gemacht. Eigens für ein Weltcup-Beachvolleyballturnier karrte man dort im Sommer 1994 vor den Augen der ungläubigen Einwohner erstmals tonnenweise feinsten Sand mitten in die Stadt. Die Sache brachte Erfolg und obendrein eine Erkenntnis: das Abhängigkeitsverhältnis war faktisch keins, der Beachvolleyball brauchte den Strand nicht zum Glücklichsein und umgekehrt. Philosophisch könnte man von einer Emanzipation des Sandes sprechen, profaner ausgedrückt von einer Mutation zum schnöden Spielbelag.

Ein Strand für jede Jahreszeit

Ach, alles hätte so schön sein können, hätte sich nicht hierzulande immer wieder ein gewisser Petrus ungefragt ins Spiel eingemischt. Der konnte ein ganz schöner Spielverderber sein. Niederträchtiger Nieselregen, böse Böen, happiger Hagel und strapazierender Sturm – sein spielflusshemmendes Repertoire war und ist reichhaltig. Zu allem Überfluss beinhaltete das auch noch Extremzustände namens Herbst und Winter. Selbst beim größten Beach-Enthusiasten dürften
Minusgrade Spuren am edlen Geläuf hinter- lassen und wem das Hechten auf gefrorenen Sand ernsthaft Freude bereitet,verspürt wahrscheinlich auch beim Anblick von welligem Asphalt wohlige Glücksgefühle. Doch, der Mobilität des Sandkorns sei Dank, auch hierfür gab es natürlich eine passable wie naheliegende Lösung: Ein Allwetterschutz musste her und das konnte nur bedeuten: Wenn die Halle nicht zum Strand kommt, muss der Strand eben in die Halle. Gesagt. Getan. Alsbald sprießen überall in der Republik die Beachsporthallen aus dem Boden, werden Turnhallen mit Sand gefüllt (was angesichts der Tatsache das man diese früher noch nicht mal mit Straßenschuhen betreten durfte bemerkenswert ist) und Badeparadiese entsprechend nachgerüstet. Und damit es dem sonnenhungrigen Beachvolleyballer an nichts fehlt, wird das passende Umfeld vielerorts gleich mitgeliefert. Von der künstlichen Palme und den tropischen Drink über die Sauna bis hin zum beheizten Sand (auch so ein Sandkorn liebt es schließlich mollig warm), dem Ideenreichtum sind kaum Grenzen gesetzt. Der Nutzung der neuen Ganzjahresstrände übrigens auch nicht:
ob Beachvolleyball, Beachsoccer, Beachhandball oder aber eine ganz und gar unsportliche Beachpartie – erlaubt ist alles was der Sand hergibt und darüber hinaus! Einzig ein zünftiger Sandburgenwettbewerb dürfte angesichts der Feinkörnigkeit des Elements schwer durchführbar sein, aber wer weiß...
 
Insbesondere der geneigte Berlin-Beacher kann übrigens aus einem reichen Fundus an Indoor-Einrichtungen schöpfen. Was man dann darin macht ist jedoch jedem selbst überlassen - vielleicht am Ende einfach nur Nichtstun?
 
Florian Beutel

11.6.09 22:27

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